Kartographie der Psyche in St. Stahls Buch "Wer wir sind"
Wien [ENA] Akribisch wühlt sich die deutsche Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl in ihrem Buch "Wer wir sind: Wie wir wahrnehmen, fühlen und lieben- Alles was sie über Psychologie wissen sollten" in die Psyche der Menschheit und versucht das Innenleben kartographisch gestochen scharf zu skizzieren, in dessen Spinnennetz sich nur allzu oft Gefühle verheddert haben im Zusammenspiel von Wahrnehmung und Bewusstsein.
In dem ewigen Drama nach Befreiung von der Last des Sisyphos, der ewig von vorne anfangen muss, bieten sich nicht nur Religionen und Weisheitsliteratur an, sondern in unserer Zeit insbesondere die Psychologie, die die Scherben verfehlter sozialer Entwicklung wieder zusammensetzen möchte. Stefanie Stahl tut das in einer ausführlichen Weise und nimmt die Leserschaft mit in die Welt der Psychoanalyse und möchte zeigen, wie wir eigentlich "funktionieren". Zum Beispiel sind "Glücksgefühle unsere Lebensdroge" und mit Verheißungen verführt die Psychologie mit der tiefsitzenden Sehnsucht nach Bindung, die in einer kalten, triebunterdrückten sozialen Welt fast unerreichbar scheint. Kein Wunder also, dass man sich auf sich selbst verlassen muss.
Übrig bleibt die gute Balance zwischen Bindung und Autonomie als dynamisches System. Das ewig gedemütigte Selbst will trotzdem festhalten am geringen Selbstwert und der Opferrolle in dysfunktionalen Beziehungen in einem Teufelskreis gefährlicher psychischer Abwehrmechanismen. Dafür hat die Autorin jede Menge Fallgeschichten aus ihrer psychoanalytischen Praxis bereit, die nur allzu gut das Straucheln im Wirrwarr von Gefühlen und gesellschaftlichen Anforderungen zeigen. Vielleicht zu optimistisch empfiehlt Stefanie Stahl bei den Lösungsansätzen im Teil III, die Vergangenheit von der gegenwärtigen Realität zu trennen, die alten Prägungen zu identifizieren und das Erwachsenen-Ich zu stärken, so als wäre das nicht oft genug schrecklich schwer.




















































