Das Puppenhaus der Doris Dörrie "Wohnen"
Wien [ENA] In ihrem neuen Buch "Wohnen" schreibt die Autorin und Filmemacherin Doris Dörrie, dass sie als Kind ein Puppenhaus mit zwei Stockwerken, Schlafzimmern, Bad und einem roten Dach besaß und dadurch vielleicht schon früh den Zauber und die Macht von Wohnräumen entdeckte, in dem sie beliebig die kleinen Puppen Vater, Mutter oder Kinder arrangieren konnte und dabei Wohnen in seiner ganzen Zwispältigkeit wahrnahm.
Wohnen als Obsession, als Lebensziel und Notwendigkeit in Zeten von politischen Umbrüchen. Beide Eltern wurden im Krieg ausgebombt. Die Mutter lebte mit ihrer Familie zunächst im engen, feuchten Keller des zerstörten Hauses, den Doris Dörrie nur aus Erzählungen kannte. 1943 wurde das Haus von Spreng-und Brandbomben getroffen und die gesamte Altstadt von Hannover in Schutt und Asche gelegt. Sobald der Krieg aus war, suchte die Familie nach Steinen und Erinnerungsstücken im Schutt des verlorengegangen Hauses der Mutter, ein Fachwerkhaus, rosa gestrichen, mit grünen Fensterläden. Wir tragen den Ort, an dem wir aufgewachsen sind, für immer in uns, schreibt sie und fragt sich, wie sehr die Art zu wohnen, von der Wohnung der Kindheit geprägt ist.
Die Autorin reflektiert über die Räume ihres Elternhauses, über Studentenbuden, Wohngemeinschaften, japanische Häuser mit Tatamimatten, das Leben auf dem Lande oder Smart Homes und bekennt, dass sie am liebsten am Küchentisch schreibt, weil sie auf keinen Fall als Frau am Herd eingestuft werden will. "Unsere Wohnungen sind von Patriarchen erdacht" sagte sie einst in einem Interview und sieht im prekären Zustand des Wohnens auch ein feministisches Problem. Es geht nämlich auch um die Frage, ob eine Frau überhaupt Raum einnehmen darf, den sie nicht mit anderen teilt und den sie selbst gestaltet? Aber vielleicht geht es eh nur um den Raum im Kopf, den ein tatsächlicher Raum ermöglicht, dem Traumraum im Traumhaus, resümiert Doris Dörrie.




















































