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Päpstliche Akademie der Wissenschaft im Wandel

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 30.08.2021, 19:15 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 3235x gelesen

Wien [ENA] Papst Franziskus hat die französische Genforscherin Emmanuelle M. Charpentier und die US-amerikanische Biochemikerin Jennifer A. Doudna an die Päpstliche Akademie der Wissenschaften berufen. Die beiden erhielten für die Entwicklung der "Genschere", mit der man das Erbgut verändern kann, 2020 den Nobelpreis für Chemie. Da sind sie in guter Gesellschaft, denn die Akademie hat schon Duzende Nobelpreisträger aufgenommen.

Darunter auch Max Planck, Niels Bohr oder Erwin Schrödinger. Überhaupt ist die 1603 gegründete Päpstliche Akademie eine äußerst geschichtsträchtige Institution. Niemand geringer als der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei war ihr erster Leiter, der nichtsdestotrotz im damaligen Wissenschaftsstreit fast um sein Leben bangen musste. Denn mit seiner Publikation "Dialogo" trat Galileo für das kopernikanische Weltbild ein. Er war einerseits tief gläubig, andererseits Naturwissenschaftler durch und durch. Als Philosoph war er überzeugt, dass sich die Werke Gottes durch Experimente und Logik offenbaren können. Im Juli 1632 wurde er von der Inquisition vernommen und konnte sein Leben nur dadurch retten, dass er seine "Fehler" eingestand.

Unter Tränen musste er sie verfluchen. Spät, aber vielleicht nicht zu spät, beauftragte Papst Johannes Paul II. 1979 die Akademie den Fall aufzuarbeiten und 1992 wurde Galileo von der römischen Kirche formal rehabilitiert. Heute müssen keine Mitglieder ein ähnliches Schicksal fürchten, denn die Päpstliche Akademie ist unabhängig und alle 80 Mitglieder genießen Forschungsfreiheit. Natürlich stellt sich noch immer die Frage, welche Bedeutung eine Erfindung wie die Genschere für den Glauben und das Gottesverständnis hat. Ist es nicht vielmehr die Literatur und Kunst, die dem geistinspirierten Menschlichen mehr Ausdruck verleiht, als die kalten Naturwissenschaften, die sich oft so erbarmungslos über das blühende, göttliche Leben hinwegsetzen?

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