Donnerstag, 19.05.2022 17:22 Uhr

"Unterleuten" von Juli Zeh

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 19.12.2021, 09:11 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 6412x gelesen

Wien [ENA] Es ist nicht verwunderlich, dass der Roman "Unterleuten" von der deutschen Juristin und Schriftstellerin Juli Zeh, geboren 1974 nach dem Erscheinen sehr bald zu einer Fernsehserie und einem Theaterstück gemacht wurde. Wenn man ihn nämlich liest, glaubt man oft ein Drehbuch zu lesen, so klar umrissen sind die Figuren, so ohne Schmelz und Tiefe ist die Sprache, als wäre die Handlung aus Zeitungsartikel zusammengestellt

Umweltbewegungen, Machtkämpfe und Interessenskonflikte zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen in dem Dorf Unterleuten irgendwo in Brandenburg, spielen eine Rolle. Insofern muss man sich fragen, ob Juli Zeh nicht in einer hybriden Erzählform brilliert, die die audiovisuelle Übersetzung schon vorweggenommen hat und intuitiv von der Übermacht gängiger Film-und Fernsehangebote beeinflusst ist. Der große Erfolg von "Unterleuten" zeigt aber auch, dass Juli Zehs Leserschaft nicht unbedingt nach seelischer Tiefe sucht, sondern an der Oberfläche den Zeitgeist erkennen und konsumieren möchte. Dass die Autorin auch eine studierte Juristin ist, kann sie in ihrer Sprache nicht ganz verbergen. Ihre abrupten Übergänge der Kapitel erinnern auch an Akte

Ist "Unterleuten" noch in irgendeiner Form dem Heimatroman zuzuordnen? Dafür ist aber die Sprache nicht dicht und dramatisch genug, obwohl in der Vorgeschichte Ansätze dazu vorhanden sind. Wie zum Beispiel in der Erzfeindschaft zwischen Rudolf Gombrowski und Kron, der die Geschäftspläne, die DDR Landwirtschaftliche Genossenschaft in eine GmbH umzuwandeln, behindert. Daraufhin lockt Gombrowski Kron in einen Wald und dort wird er von Bodo Schaller, Gombrowskis Mann für's Grobe, schwer misshandelt. Aber das Dorf gerät auch weiterhin in einen Strudel an Konflikten als eine Investmentfirma einen Windpark bauen will und die Dorfgemeinschaft abwechselnd zu Verbündeten und Gegnern wird und jeder doch nur für seine Interessen und Träume kämpft.

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